Berg- und Talfahrt

Heute haben wir unsere Heimreise angetreten. Am Morgen war uns allen komisch zumute. Das lag bei den einen daran, dass sie nicht von St. Petersburg weg wollten. Den anderen ging es nicht gut, weil sie sich erkältet haben oder sich einfach komisch schlecht fühlten. Ich fühlte mich heute oft seltsam, vielleicht war es nur Aufregung. Ich weiß zwar nicht, wieso ich aufgeregt sein sollte, aber mein Körper spricht eine andere Sprache und vielleicht sollte mein Gefühl heute aus Aufregung bestehen. Nach einer Woche mit sehr wenig Schlaf, aber viel Spaß, Freude, Leidenschaft und interessanten Gesprächen sitze ich im Zug und freue mich auf mein Zuhause – Erfurt. Und auf die Menschen, die ich liebe. Ich freue mich auf ihre Gesichter, wenn sie sehen, dass ich doch an sie gedacht habe. Ich freue mich auf ihre Nähe und ihre Gegenwart.

Wie sagt man so schön? Zu Hause ist es ja doch am schönsten und obwohl ich mein Zuhause im Moment noch finden und darauf warten muss, ist es daheim am schönsten. Denn daheim ist da, wo sie sind – meine Liebsten.

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Dankbarkeit

Der Abschied war gekommen. Wir müssen Sankt Petersburg in den bevorstehenden Morgenstunden verlassen.
Zu Beginn diesen Tages waren wir um zehn in der „Aula“ unserer Partnerschule verabredet. Als wir dort ankamen, wurden uns zunächst einige Minuten zum Absprechen und im Anschluss zum Präsentieren gegeben. Darauf folgten viele Worte der russischen Lehrer, aber auch Frau Eichler hatte einiges zu sagen. Mischa hat dann den Vorschlag gemacht, auf dem Klavier in der ersten Etage zu spielen. Ich konnte mir denken, welches Lied er spielen würde, aber damit, dass ich schon wieder weinen müsste, habe ich nicht gerechnet. Es ist ein unangenehmes Gefühl, dass alle einen weinen sehen und ich weiß auch gar nicht, was, seit wir hier sind, los ist. Doch auch das habe ich überstanden und nach dem Gruppenfoto und einem kurzen Besuch im Supermarkt fuhren wir zurück ins Hostel. Ich habe in unserem Zimmer dann alles aufgeräumt und, soweit es ging, meinen Koffer gepackt, damit ich den Rest des Tages keinen Stress mehr habe und die letzten Stunden einfach genießen kann. Wir waren dann noch ein Mal draußen, um Mittag zu essen und noch mehr auf einem Basar umher zu stöbern. Ich habe noch wunderschöne Dinge gefunden und freue mich sehr auf die lächelnden Gesichter meiner Liebsten.

Eine der russischen Lehrerinnen sagte heute, dass wir uns bei unseren Eltern bedanken sollen, dass wir die Möglichkeit bekamen, an dieser Reise teilzunehmen. Und das tue ich, denn eigentlich wollte ich nicht mit, um meiner Mutter die zusätzlichen Kosten zu ersparen. Zu Beginn der Planung unserer Reise waren einige das Geld betreffende Dinge teilweise ungeklärt. Doch meine Mutter wusste es besser, natürlich. Wie das eben so ist. Ich wurde zu meinem Glück gezwungen und Mama, ich danke dir dafür, denn das hier war toll! Es ist so schade, dass die Reise in diese Zeit gefallen ist, sodass meine Jahrgangsstufe in der zwölften Klasse verreist ist, ich würde so gerne noch einmal mitkommen. Ich wünsche mir, dass die nächsten Generationen es genauso erleben und genießen können wie wir und dass sie vielleicht auch wirkliche Freunde hier in Russland finden. Ich bin sehr dankbar und froh für diese Erfahrungen und freue mich auf die der nächsten Reise.
Jetzt heißt es schlafen gehen und morgen sehr früh aufstehen und ab geht’s zurück, in mein ebenfalls sehr geliebtes Erfurt.

Ein Viel-Mach-Tag

Dieser begann, ohne Wecker, kurz vor sieben. Ich wollte früh aufstehen, aber mit dieser Uhrzeit hatte ich nicht geplant oder gerechnet. Ich musste Haare waschen und da das immer seine Zeit braucht und ich keinen Stress wollte, bin ich dann eben doch gleich aufgestanden. Das Wasser geht an. Der Deckel des Duschgels ploppt mit diesem typischen Klicken auf. Die Tropfen verringern sich, das fließende Wasser ist aus. Das Rattern der Schiebetüren an der Dusche, meine Füße platschen auf den Boden, meine nassen Haare hinterlassen ihre Spuren auf den Fliesen. Angezogen und die Haare hochgebunden lasse ich mir tanzend zum Takt der Musik in meinem Kopf heißes Wasser in die Tasse tröpfeln. Teebeutel rein. Umrühren. Teebeutel raus. Kaum steht der Tee auf dem Tisch, mein Handy daneben, beginne ich nach einer Lösung zu suchen. Ich wollte unbedingt auf diesen Vintage- oder Trödelmarkt, etwas außerhalb der Stadt. Doch der Aufbruch dorthin startete ziemlich früh und wir waren in dieser Zeit mit unseren Gastgebern verabredet, um uns auf die Suche nach den Bauten der russischen Avantgarde zu machen. Nun fiel mir ein, dass diese zwei Dinge auf eine ganz knappe aber immerhin nicht unmögliche Art und Weise kombinierbar sind. So fuhren wir also mit U-Bahn und Bus zum „Юноная ярмарка“ und trödelten ein bisschen umher. Wir verließen ihn relativ schnell wieder, da der Teil, der nicht aus Essen bestand, eher klein ausfiel und die Zeit uns immer im Hinterkopf saß und wir nicht zu spät kommen wollten. Auf dem Weg zu unserem russischen Gruppenmitglied galt es die Herausforderung des Busverkehres erneut zu meistern. Doch mit einem Muttersprachler und einer ausreichenden Orientierung ging das weniger kompliziert vonstatten, als es sich anhört. Der Markt war richtig niedlich, aber in der Stimmung zu stöbern und nach Schätzen zu suchen war ich wirklich nicht. Am abgesprochenen Treffpunkt und nach ein wenig Smalltalk über unser Gebäude und die Eremitage war es an der Zeit, einige Bilder für die spätere Präsentation zu machen. Das war schnell erledigt und wir beschlossen den restlichen Tag gut zu nutzen und keine Zeit zu vertrödeln. Wir verabschiedeten uns voneinander und peilten zunächst das Hostel an. Eine Pause war dringend nötig. Die Taschen ausgeleert und los ging es in unser Stammcafé, um zu Mittag zu essen. Der Geruch von Sandwiches und Pita stieg mir in die Nase. Das Zusammenspiel von Gemüse und leicht angeröstetem Brot war genau das, was ich gebraucht habe. Nach dieser wirklich notwendigen Stärkung war klar: Wir wollen… und wir müssen die Eremitage besuchen. Nach einigen Minuten warten, überbrachten wir unsere Bilddateien und schafften es zwischen Chaos und nach zehn Malen, die ich raus und wieder rein gelaufen bin, auch endlich, das Hostel zu verlassen. Als wir beim Museum ankamen, fanden wir nach längerem Suchen die Kasse und erfuhren, dass der Eintritt für uns kostenfrei ist. Es war natürlich schön zu wissen, dass Kunst und Kultur somit an junge Menschen heran gebracht werden soll. Ich war voller Freude und Lust auf die Ausstellung und auf neue 500 Bilder auf der Speicherkarte meiner Kamera. Dafür, dass ich dachte, dass wir bis um sechs, wenn die Eremitage schließt, brauchen werden, waren wir wirklich kurz da. Wir saßen halb sechs schon wieder im Hostel, aber ich würde behaupten, wir haben gesehen, was möglich war. Ich habe alle fünf Sekunden ein Bild von der Decke, von den Säulen, den Gemälden und Statuen gemacht – ich bin gestorben vor Aufregung und Freude – und Glück. Ich bin mit einem fetten Grinsen durch die Hallen und Räume geschwebt und habe mich durch die Touristengruppen gequetscht, die jeden Raum mit erstickender Wärme füllten. Dennoch hat es so viel Spaß gemacht. Dann war ich aber echt platt. Als wir wieder im Hostel ankamen, warf ich mich direkt in meine Schlafsachen und schlief erst mal eine Stunde. Danach war ich für kurze Zeit sehr verpeilt und hatte nur Honig im Kopf.
Mir ist dann irgendwann eingefallen, dass ich noch Mitbringsel für meine Familie suchen wollte. Nach erfolgreichem Touri-Shopping waren wir in einem blumigen Restaurant zum Abendessen. Auf dem Heimweg sind wir einem älteren Mann über den Weg gelaufen, der auf einer Säge zu dem berühmten Song „My heart will go on“ aus dem Film Titanic spielte. Mir sind, wie auch schon beim letzten Schultag der elften Klasse unserer Partnerschule, die Tränen gekommen. Er hatte einfach diesen Ausdruck von Leben und Musik.

Der Tag war sehr ereignisreich und wunderschön und die Musik auf den Straßen, die Menschen an den Ständen und in den Restaurants – einfach alles hat mich erneut in seinen Bann gezogen. Sankt Petersburg hat es geschafft: Ich bin verliebt in diese Stadt.

Im Paradies

Dieser Tag begann mit einem kleinen Schock. Wir waren alle um acht auf dem Innenhof verabredet, um uns dann auf den Weg zum Petershof zu machen. Ich wachte auf und hörte den Satz „Ihr habt noch eine halbe Stunde, dann müssen wir los.“, dann steh‘ ich auf und sehe, dass es nur noch zwanzig Minuten sind. Also blieb mir nichts anderes übrig als mich schnell fertig zu machen, was auch kein Problem wäre, wenn dabei nur nicht immer diese Hektik entstehen würde. Dann hat mit kleiner Verspätung doch alles geklappt und wir saßen im Bus. Diese kleinen Busse lösen ein richtiges Urlaubsfeeling aus. Die Sonne scheint durch die Fenster an der Seite und durchs Dach und meine Sonnenbrille lässt mich alles durch zwei rosarote Herzen sehen. Nach nicht allzu langer Zeit kamen wir an der riesigen Gartenanlage an und nach kurzem Warten und ein paar Ansagen starteten um elf die Fontänen der Brunnen. Beim Versuch einige Fotos zu schießen, bemerkte ich einen Arm auf meiner Schulter, lautes Gelaber hinter mir und gefühlt zwanzig Köpfe vor mir. Aber ich habe es geschafft. Wasser hat immer eine beruhigende Wirkung auf mich und diese Springbrunnen und Fontänen brachten mich zum Lächeln. Ich verlor dann für kurze Zeit meine Gruppe und da das Gelände sehr umfangreich ist, lief ich erst einmal irgendwo lang um Bilder zu machen. Ich liebte es dort, diese wenigen Momente allein mussten nicht sein, waren aber wunderschön und ich habe sie genossen. Die Sonne im Gesicht zu haben und das Wasser zu beobachten hat unfassbar gut getan und mich für einen Moment alles andere vergessen lassen. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich in meinem eigenen kleinen Paradies. Nur die Sonne, das Wasser und das Grün um mich herum. Ja, die im Park verteilten Gebäude waren auch wunderschön, aber so kitschig das auch klingt, sind es oft die kleinen Dinge die glücklich machen. Heute Abend stand noch das Geburtstagsfest St. Petersburgs bevor. 21 Uhr begann es mit klassischer Musik am Schlossplatz. Es war überfüllt, teilweise schön, aber es war kein Fest. Wir wurden ermahnt, weil wir zu laut lachten. Nicht weiter schlimm, da wir ab dann durch die Stadt schlenderten, auf der Suche nach Straßenmusik. Die Suche endete erfolgreich und brachte noch einmal zum Vorschein, wie die Menschen in St. Petersburg sich der Musik, selbst mitten auf der Straße, hingeben können.

Großstadtjungle

IMG_2261.JPGWir vollendeten heute unsere Tour durch die Stadt, die man für uns geplant hat. Wir bekamen Aufgaben und eine Karte mit eingetragenen Punkten darauf, zu denen wir gehen sollen und die wir besichtigen können. Am Donnerstag sind wir schon die ersten Stellen abgelaufen und haben uns für heute das Ziel gesetzt, fertig zu werden. Als die Sonnenstrahlen in unser Zimmer drangen, sind wir noch lang nicht richtig aufgewacht. Ich glaube, aufgestanden bin ich erst halb zwölf. Ich habe das Ausschlafen sehr genossen, auch wenn ich nie wirklich Müdigkeit verspüre, man braucht ja doch seinen Schlaf. Nach einem kleinen Frühstück machten wir uns auf den Weg nach draußen an die frische Luft, um St. Petersburg noch genauer zu erkunden. Zunächst waren wir, zum wahrscheinlich zehnten Mal, an der Eremitage auf dem Schlossplatz, bei dem wir aufschreiben sollten, wie dieser auf Russisch heißt. Der Platz und seine Umgebung stecken im Moment voll mit Leben: Bühnen werden aufgebaut und alles schick gemacht, da St. Petersburg morgen Geburtstag feiert. Wahrscheinlich lebt dieser Platz immer durch all die Menschenmassen. Doch das Gefühl, das man jetzt verspürt, war so voller Tatendrang und Freude. Ich hätte im Wiener-Walzer-Schritt über den ganzen Platz tanzen können. Alle sind in Aufruhr und bewundern, wie ich, diese einzigartige Stimmung.

Direkt im Anschluss sind wir zur Isaakskathedrale gegangen, da diese sich gleich um die Ecke befindet. Sie bietet wohl einen erstaunlichen Ausblick, für dessen Genuss wir heute leider keine Zeit fanden. Hier bestand die Aufgabe darin, die Breite der Brücke am Isaaksplatz zu schätzen bzw. herauszufinden. Herausforderung angenommen: Ich stellte mich also an das eine Ende und ging in merkwürdigerweise lustig aussehenden Ein-Meter-Schritten über die Brücke. Dabei bestand mein Weg überwiegend daraus, mich durch parkende Autos zu quetschen, was meine zwei Begleiter sehr belustigend fanden. Das führte dazu, dass ich mich mit riesigen Schritten, lachend und wackelnd durch Autos zwängte, in denen zum Teil auch Menschen saßen und mich beschmunzelten. Nun war das auch geschafft, die Schätzung der Breite dieser Brücke war vollbracht. Wir waren dann auf dem Weg zur berühmten Admiralität am Anfang des „Невский проспект“. Ich mag dieses Gebäude sehr, da es sich im Prinzip durch oder an einem Park entlangzieht. Außerdem befindet sich ein Springbrunnen davor, was eine wirklich wundervolle Sicht auf dieses Bauwerk bietet. Hier sollten wir den Namen der Sehenswürdigkeit notieren. Nun ging es darum, über eine kleine Brücke auf eine Halbinsel zu kommen, auf der sich die Peter-Pauls-Festung befindet. Die Insel ist wunderschön und gibt ein anderes Blickfeld auf die Stadt preis. Man nimmt eine Art Skyline des russischen Barocks war und verliebt sich noch einmal mehr in St. Petersburg. Unsere Mission war es, die Höhe des Turmes der Festung herauszufinden oder auch zu schätzen. Zunächst haben wir letzteres getan, doch im Laufe des Tages erfuhren wir noch die genaue Höhe. Unsere letzte Station war das Kriegsschiff (Aurora) an einem Neva-Arm, das war schnell erledigt und schon ging es zurück zum Hostel, da am Abend eine Bootstour geplant war.

Auf dem Weg in unsere Unterkunft fing es zu regnen an. Es war so schön, endlich mal richtig nass zu werden vom Regen und durch die Straßen zu laufen und zu springen und den Moment zu genießen, um einfach alles Positive daraus zu ziehen und glücklich zu sein. Klitschnass im Flur angekommen beschließen wir, uns schnell warm anzuziehen und waren gespannt, wie die Tour auf dem Wasser bei diesem Wetter ablaufen wird. Nach kurzer Zeit startete diese auch schon. Eine Frau erzählte uns in Russisch geprägtem Deutsch einiges über die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Das Wetter war wechselhaft, an sich aber eher sonnig und ohne viel Regen. Das schimmernde Wasser, die Sonne im Gesicht und auf den geschlossenen Augen und das Schippern und Wanken des Bootes riefen eine sehr entspannte Stimmung in mir hervor. Diese Ausgeglichenheit übertrug sich auch auf den Rest des Tages, der wenig spektakulär mit einem Besuch im Café endete, in dem ich eine „Heiße Schokolade“ trinken durfte, die ich in diesem Moment so tatsächlich nicht erwartet hätte.

Brücken bei Nacht

Ich habe mich sehr auf die Nacht gefreut, in der wir uns das Öffnen der Brücken anschauen. Die frische Nachtluft und das Leuchten der Stadt, ich war fast schon aufgeregt. Städte bei Nacht reizen mich immer sehr, weil man sie so viel klarer sieht. So ging es mir jedenfalls bei jeder anderen Stadt, die ich schon bei Nacht begutachten konnte. In einen warmen riesigen Pulli eingekuschelt durch die Stadt zu schlendern kann ja fast nur schön werden. Wir warteten gespannt den Abend ab und nach vielem Lachen und dadurch verursachter Atemlosigkeit starteten wir den nächtlichen Ausflug. Einige Schritte hinter der Eremitage war die blau beleuchtete Brücke zu sehen. Im Wasser spiegelte sich jedes Licht der Stadt, die kleinen Boote schipperten mit ihren freudigen Gästen unter der Brücke durch und hielten so, dass die Passagiere einen perfekten Blick auf das Geschehen genießen konnten. Auf den Straßen hörte man Gemurmel, feierliche und doch entspannte Musik und tausende von leichten und schweren Schritten. Die Lichter in der Ferne und dazu das bläuliche Leuchten der Brücke zauberten eine leicht romantische Stimmung. Ich konnte nicht anders, als da zu stehen und zu träumen. Man muss nicht immer lustig sein, glücklich reicht vollkommen aus. Die Luft und die Aussicht haben gut getan, ebenso die abgespielte Musik im Hintergrund. Der Blick auf’s Wasser ruft eine gewisse Sehnsucht hervor und man wünscht sich, man könne diesen Moment mit seinen Liebsten verbringen. Doch auch die geht vorüber, wenn man sich diese tolle Stadt anschaut. Schöner hätte der Tag nicht enden können.

Klassische Klänge

IMG_2238.JPGDer zweite Tag in St. Petersburg begann mit dem Augenaufschlag nach einer sehr erholsamen Nacht. Nach einem kleinen Frühstück ging es mit der U-Bahn direkt zur Partnerschule. In dieser angekommen lernten wir Kinder aus den Klassen 6-7 kennen. Es war erstaunlich, wie gut sie Deutsch sprechen und das nur nach einem Jahr. Anschließend durften wir uns das Letzter-Schultag-Programm der 11. Klasse anschauen. Ich habe ehrlich nicht damit gerechnet, dass es so emotional wird. Die Klassenlehrerin hat für ihre Klasse gesungen und dabei angefangen zu weinen. Man hätte sich denken können, dass ein Lehrer, der seine Schüler seit der ersten Klasse begleitet, emotional werden kann. Aber wer denkt denn dabei an solche Emotionen, ich nicht. Doch es war schön zu sehen, dass der Vorgang des Verabschiedens so wichtig ist und ernstgenommen und geschätzt wurde. Das Programm der Schüler scheint lustig gewesen zu sein, das Publikum lachte an einigen Stellen, die wahrscheinlich aus Insidern oder einfach Witzen bestanden, die ich auf Russisch kaum verstanden habe. Um nicht zu sagen – gar nicht.
Ich habe gemerkt, dass mich Emotionen überraschend überkommen können. Ich wurde gefragt, warum ich weine, mit einem Blick aus einer Mischung von Verzweiflung und Hilfsbereitschaft. Ich antwortete, weil ich glücklich sei. Wenn es mir mal so richtig gut geht, lebe ich einfach dahin und weiß gar nicht zu schätzen, was mir alles Positives widerfährt. In diesem Moment ist mir das bewusst geworden, was nur zu mehr Tränen führte. Nach einem kleinen Einkauf im abgelegenen Supermarkt ging es kurz zurück ins Hostel und dann fingen schon alle an sich schick zu machen. Wir wurden zu einem klassischen Konzert eingeladen und es war sehr schön. Ich meine: Musik – das kann nur gut sein. Und dieser Saal, in dem das Ganze stattfand – traumhaft. Überall Verzierungen und das Funkeln der Kronleuchter.
Alles in allem war die Zeit in der Schule sehr vollgepackt und es prasselte alles zusammen auf einen ein. Doch sich dann noch mal in ein schickes Kleid zu werfen und der kurze Spaziergang durch die Abendstunden St. Petersburgs hat Freude bereitet und bildete einen schönen Abschluss des Tages.