Ein Viel-Mach-Tag

Dieser begann, ohne Wecker, kurz vor sieben. Ich wollte früh aufstehen, aber mit dieser Uhrzeit hatte ich nicht geplant oder gerechnet. Ich musste Haare waschen und da das immer seine Zeit braucht und ich keinen Stress wollte, bin ich dann eben doch gleich aufgestanden. Das Wasser geht an. Der Deckel des Duschgels ploppt mit diesem typischen Klicken auf. Die Tropfen verringern sich, das fließende Wasser ist aus. Das Rattern der Schiebetüren an der Dusche, meine Füße platschen auf den Boden, meine nassen Haare hinterlassen ihre Spuren auf den Fliesen. Angezogen und die Haare hochgebunden lasse ich mir tanzend zum Takt der Musik in meinem Kopf heißes Wasser in die Tasse tröpfeln. Teebeutel rein. Umrühren. Teebeutel raus. Kaum steht der Tee auf dem Tisch, mein Handy daneben, beginne ich nach einer Lösung zu suchen. Ich wollte unbedingt auf diesen Vintage- oder Trödelmarkt, etwas außerhalb der Stadt. Doch der Aufbruch dorthin startete ziemlich früh und wir waren in dieser Zeit mit unseren Gastgebern verabredet, um uns auf die Suche nach den Bauten der russischen Avantgarde zu machen. Nun fiel mir ein, dass diese zwei Dinge auf eine ganz knappe aber immerhin nicht unmögliche Art und Weise kombinierbar sind. So fuhren wir also mit U-Bahn und Bus zum „Юноная ярмарка“ und trödelten ein bisschen umher. Wir verließen ihn relativ schnell wieder, da der Teil, der nicht aus Essen bestand, eher klein ausfiel und die Zeit uns immer im Hinterkopf saß und wir nicht zu spät kommen wollten. Auf dem Weg zu unserem russischen Gruppenmitglied galt es die Herausforderung des Busverkehres erneut zu meistern. Doch mit einem Muttersprachler und einer ausreichenden Orientierung ging das weniger kompliziert vonstatten, als es sich anhört. Der Markt war richtig niedlich, aber in der Stimmung zu stöbern und nach Schätzen zu suchen war ich wirklich nicht. Am abgesprochenen Treffpunkt und nach ein wenig Smalltalk über unser Gebäude und die Eremitage war es an der Zeit, einige Bilder für die spätere Präsentation zu machen. Das war schnell erledigt und wir beschlossen den restlichen Tag gut zu nutzen und keine Zeit zu vertrödeln. Wir verabschiedeten uns voneinander und peilten zunächst das Hostel an. Eine Pause war dringend nötig. Die Taschen ausgeleert und los ging es in unser Stammcafé, um zu Mittag zu essen. Der Geruch von Sandwiches und Pita stieg mir in die Nase. Das Zusammenspiel von Gemüse und leicht angeröstetem Brot war genau das, was ich gebraucht habe. Nach dieser wirklich notwendigen Stärkung war klar: Wir wollen… und wir müssen die Eremitage besuchen. Nach einigen Minuten warten, überbrachten wir unsere Bilddateien und schafften es zwischen Chaos und nach zehn Malen, die ich raus und wieder rein gelaufen bin, auch endlich, das Hostel zu verlassen. Als wir beim Museum ankamen, fanden wir nach längerem Suchen die Kasse und erfuhren, dass der Eintritt für uns kostenfrei ist. Es war natürlich schön zu wissen, dass Kunst und Kultur somit an junge Menschen heran gebracht werden soll. Ich war voller Freude und Lust auf die Ausstellung und auf neue 500 Bilder auf der Speicherkarte meiner Kamera. Dafür, dass ich dachte, dass wir bis um sechs, wenn die Eremitage schließt, brauchen werden, waren wir wirklich kurz da. Wir saßen halb sechs schon wieder im Hostel, aber ich würde behaupten, wir haben gesehen, was möglich war. Ich habe alle fünf Sekunden ein Bild von der Decke, von den Säulen, den Gemälden und Statuen gemacht – ich bin gestorben vor Aufregung und Freude – und Glück. Ich bin mit einem fetten Grinsen durch die Hallen und Räume geschwebt und habe mich durch die Touristengruppen gequetscht, die jeden Raum mit erstickender Wärme füllten. Dennoch hat es so viel Spaß gemacht. Dann war ich aber echt platt. Als wir wieder im Hostel ankamen, warf ich mich direkt in meine Schlafsachen und schlief erst mal eine Stunde. Danach war ich für kurze Zeit sehr verpeilt und hatte nur Honig im Kopf.
Mir ist dann irgendwann eingefallen, dass ich noch Mitbringsel für meine Familie suchen wollte. Nach erfolgreichem Touri-Shopping waren wir in einem blumigen Restaurant zum Abendessen. Auf dem Heimweg sind wir einem älteren Mann über den Weg gelaufen, der auf einer Säge zu dem berühmten Song „My heart will go on“ aus dem Film Titanic spielte. Mir sind, wie auch schon beim letzten Schultag der elften Klasse unserer Partnerschule, die Tränen gekommen. Er hatte einfach diesen Ausdruck von Leben und Musik.

Der Tag war sehr ereignisreich und wunderschön und die Musik auf den Straßen, die Menschen an den Ständen und in den Restaurants – einfach alles hat mich erneut in seinen Bann gezogen. Sankt Petersburg hat es geschafft: Ich bin verliebt in diese Stadt.

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